5. und 6. Tag
Vorfreude ist die schönste Freude. Heute ist es so weit. Heute geht es auf Safari. Unser Strandurlaub bekommt das Sahnehäubchen aufgesetzt. Wobei Sahnehaube sogar noch korrekter wäre. Abfahrt ist um 7:30 Uhr. Vor uns liegen 4 Stunden Fahrt. Die 4 Stunden ziehen sich. Zum einen ist da die große Vorfreude, zum anderen sind da die Straßenbedingungen, die besser sein könnten. Einen Stau auf der Autobahn versucht unser Fahrer Ali zu umfahren. Dafür geht es durch holprige und verstaubte Wege entlang der Autobahn. Ob das schneller ist? Nach 3,5 Stunden erreichen wir einen Rastplatz. Es ist anscheinend der Standardrastplatz kurz vor dem Tsavo-Ost-Nationalpark. Dicht an dicht stehen die Safari-Busse und Jeeps. Dutzende Souvenirverkäufer warten auf die Touristen. Ich habe aber nur Augen für die strahlend gelben Webervögel. Ich ärgere mich kurz, dass ich meine Kamera im Jeep gelassen habe, aber ich genieße dann einfach so die Schönheit dieser Vögel. Etwas später stehen wir vor dem Eingang des Parks. Unser Guide klappt das Dach auf und erledigt die Formalitäten. Der obligatorische Safari-Hut wird noch gekauft und dann geht es hinein in den Park.
Es dauert keine 5 Minuten und da sehen wir den ersten Elefanten. Wow, einfach nur wow. Was für ein Gefühl, diese majestätischen Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Die Tsavo-Elefanten sind übrigens leicht rötlich. Das liegt an dem roten Sand, in dem sie gerne baden. Wir fahren weiter und halten nach kurzer Zeit an. Wir finden eine Gruppe von Elefanten, die dicht an dicht unter einem Baum stehen. Unter ihnen ist auch ein kleiner Elefant. Ganz sanftmütig wedeln die Giganten mit Ohren. Es ist ein faszinierender Anblick. Ich könnte diesem Naturschauspiel Stunden zusehen. Es gibt kein Wort in der deutschen Sprache – nein, in irgendeiner Sprache –, das das Glück beschreiben kann, das ich gerade in meinem Herzen fühle. Die Safari ist keine Viertelstunde alt und ich habe das vollkommene Paradies gefunden. Elefanten. In freier Wildbahn. Es ist zu schön, um wahr zu sein! Wir bestaunen die Gruppe noch für eine Weile und dann fahren wir weiter. Wir finden eine Wasserstelle. Mitsamt Antilopen, Nilpferd, Elefanten, Büffel und Zebras. So viele Tiere und alle in Freiheit. Was für ein tolles Gefühl! Ich könnte hier für immer bleiben. Immer wieder halten wir. Mal sind es Gazellen, mal Antilopen und mal Zebras, die wir bestaunen. Sträuße und andere tolle Vögel, gibt es auch noch. 100 Kilometer fahren wir durch den Park und ich komme vor lauter Staunen nicht hinterher. Ali hält bei jedem Tier, das wir entdecken. Wir sind zu viert im Wagen und können so intensiv diese Naturschönheit genießen.
Nach einigen Stunden erreichen wir unsere Lodge. Das Manyatta Camp ist ein Traum. Wir haben 2 Stunden zum Erholen, ehe es nochmal auf Safari geht. Jedes Zimmer ist ein einzelnes Zelthaus. Die Unterkünfte sind wunderschön. Wir spüren den Wind Afrikas im Bett. Es ist herrlich. Noch besser ist aber die Terrasse. 10 Meter entfernt beginnt der Park. Wir sitzen auf der Terrasse und sehen Antilopen und Elefanten. Und das Beste ist, jedes Häuschen hat einen eigenen kleinen Pool. Wir liegen im Pool und sehen 200 Meter entfernt Elefanten. Wie geil ist das denn? Der Tag ist einfach perfekt und ich kann mein Glück kaum fassen. Aber wir haben ja noch eine Safari! Wieder sehen wir Elefanten, Antilopen, Zebras und vieles mehr. Diesmal sehen wir aber auch einen Büffel von nächster Nähe, Warzenschweine (Hallo Pumba!) und Giraffen. Die Dämmerung setzt ein und wir fahren mit offenem Dach durch den Park. Ein unfassbar schönes Gefühl! Den Abschluss bildet eine Löwendame auf einem Felsen. So ein majestätisches Tier zum Abschied ist einfach nur perfekt. Und doch, es gibt ein Wort für dieses Glück. Genau genommen sind es sogar zwei: Hakuna Matata!
Am nächsten Morgen herrscht eine Mischung aus Freude und Ernüchterung. Freude auf die neue Safari, aber auch Ernüchterung darüber, dass wir jetzt wieder gehen müssen. Die Safari dauert wieder lange und wieder starre ich wie gebannt in die Weite des Nationalparks. Wieder sehen wir Dutzende Tiere und auch dieses Mal ziehen mich die Elefanten in ihren Bann.
Das eigentliche Abenteuer ist heute aber die Rückfahrt zu unserem Hotel. Ali möchte die Staus umfahren und meidet daher weite Strecken der Autobahn. Wir fahren durch Dörfer, die noch nie zuvor einen Touristen gesehen haben. Die Kinder der Dörfer winken uns freudig und neugierig zu. Es ist wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben, dass sie „Weiße“ sehen. Die Straßen sind alles andere als gut. Ein schlechter Feldweg in Deutschland ist eine Autobahn im Vergleich zu diesen staubigen Wegen. Es staubt, schaukelt, ruckelt und geht trotz Alis hoher Geschwindigkeit nur langsam voran. Wir rasen über eine verstaubte Schotterpiste und es passiert das, was unausweichlich war. Wir haben einen Platten. Mitten im Nirgendwo. Mittags in der fast Äquatorsonne. Zum Glück haben wir ein Ersatzrad dabei. Das hat allerdings kein Profil mehr und ist ein paar Zentimeter zu klein. Und so ist die restliche Fahrt eine kleine Zitterpartie. Am Ende erreichen wir aber sicher unser Hotel und haben eine Abenteuererfahrung mehr im Kasten.